«Rundschau Talk Spezial» ist das seltenste Format im Schweizer Fernsehen. Im Jahr 2025 gab es nur vier Ausgaben. Jede einzelne wird monatelang vorbereitet, jede einzelne ist für genau einen Gast reserviert – und nur dann produziert, wenn die Redaktion glaubt, dass dieser Gast etwas zu sagen hat, was die Schweiz hören muss.
Diese fünfte Ausgabe, die erste des Jahres 2026, war anders. Anders, weil sich Nathalie Wappler – bis zum 30. April Direktorin von SRF, die das Haus am nächsten Morgen an ihren Nachfolger Roger Elsener übergab – persönlich an den Tisch setzte. Die Sendung trug deshalb den Zusatz «Spezial» – zum ersten Mal in der Geschichte des Formats moderierte die Direktorin selbst.
Es war dieselbe Frau, die die Credit-Suisse-Berichterstattung zu einem der wichtigsten journalistischen Momente der letzten Jahre gemacht hatte. Ihr letztes Interview widmete sie dem Mann, der von diesem Untergang profitierte.
Und anders, weil ihr Gegenüber Sergio Ermotti hiess, CEO der UBS. Seine Vergütung von 14,9 Millionen Schweizer Franken war erst kürzlich an der Generalversammlung in Basel von 86,7 Prozent der Aktionäre bestätigt worden.
Wappler hatte vier Monate verhandelt, um Ermotti vor die Kamera zu bekommen. Die UBS-Pressestelle hatte zugesagt unter zwei Bedingungen: keine Fragen zur AGM-Abstimmung, keine Fragen zu Bonuszahlungen. Wappler stimmte zu. Was die UBS nicht wusste: Sie hatte sich nicht an die Bedingungen gebunden gefühlt.
«Heute Abend werde ich nicht freundlich sein»
Die Sendung begann nicht wie ein Interview. Sie begann mit einem Vorwort. Wappler sass allein im Studio, der Stuhl gegenüber war noch leer.
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer. Heute Abend werde ich nicht freundlich sein. Ich werde nicht ausweichen. Und ich werde nicht aufhören zu fragen, bis ich Antworten habe. Das schulde ich Ihnen.
Ermotti betrat das Studio. Dunkler Massanzug, ein Lächeln, das Routine war. Er gab Wappler die Hand, setzte sich, justierte sein Mikrofon. Ein Profi. Er hatte keine Ahnung, was kommen würde.
«Sie verdienen ihr Monatsgehalt vor der Mittagspause»
Wappler: «Herr Ermotti. Heute Morgen hat Ihre Bank einen Quartalsgewinn von 3 Milliarden Dollar vermeldet — 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Und Ihre Vergütung für 2025: Vierzehn Komma neun Millionen Schweizer Franken. Zwei Komma acht Millionen Grundgehalt, zwölf Komma eins Millionen Bonus. Wissen Sie, wie viel das pro Stunde ist?»
Ermotti: «Frau Wappler, ich glaube nicht, dass es zielführend ist, mein Gehalt in dieser Form zu diskutieren. Meine Vergütung entspricht internationalen Marktstandards. UBS konkurriert um Talente mit Goldman Sachs, Morgan Stanley, Deutsche Bank. Wenn wir hier unter dem Marktniveau zahlen, verlieren wir unsere besten Leute. Das ist nicht im Interesse der Schweiz.»
Wappler: «Sieben tausend einhundertdreiundsechzig Franken. Pro Stunde. Eine Krankenschwester am Universitätsspital Zürich verdient sieben tausend fünfhundert Franken im Monat. Sie verdienen ihr Monatsgehalt, bevor sie zur Mittagspause gehen. Können Sie mit dieser Tatsache leben?»
Ermotti: «Das ist eine populistische Rechnung, Frau Wappler. Sie wissen genauso gut wie ich, dass internationale Finanzmärkte nicht mit Pflegeberufen verglichen werden können. Das sind zwei völlig verschiedene Welten. Meine Verantwortung umfasst drei Millionen Kunden, hundertfünfzigtausend Mitarbeiter weltweit, eine Bilanzsumme von über tausendsiebenhundert Milliarden Dollar. Das lässt sich nicht in Stundenlöhnen messen.»
Wappler: «Die Ethos Foundation hat es ausgerechnet. Nicht ich. Ihre Vergütung liegt einhundertsiebenundvierzig Prozent über dem Median Ihrer fünfzehn grössten europäischen Konkurrenten. Hundertsiebenundvierzig Prozent. Das ist nicht Populismus. Das ist Mathematik.»
Ermotti griff nach dem Wasserglas. Trank einen Schluck. Stellte es zurück.
«Achtundachtzig Prozent kommen aus dem Ausland»
Wappler: «Ihre Vergütung wurde erst kürzlich an der UBS-Generalversammlung mit 86,7 Prozent bestätigt. Wissen Sie, welcher Anteil dieser Aktionäre in der Schweiz wohnt? Weniger als zwölf Prozent. Achtundachtzig Prozent der Stimmen, die über Ihre Vergütung entscheiden, kommen aus dem Ausland. Wie fühlt es sich an, wenn Ausländer darüber entscheiden, wie viel ein Schweizer Banker verdient – ein Banker, dessen Bank von Schweizer Steuerzahlern gerettet wurde?»
Ermotti: «Die UBS wurde nicht gerettet, Frau Wappler. Das ist eine falsche Darstellung. Wir haben Credit Suisse übernommen, im Auftrag des Bundesrats, um den Finanzplatz Schweiz zu stabilisieren. Es war keine Rettung der UBS – es war die Rettung der Schweizer Wirtschaft. Ohne diese Transaktion hätten wir einen Dominoeffekt erlebt, der das Land in die schwerste Krise seit 1929 gestürzt hätte.»
Wappler: «Mit einer Garantie des Bundes über neun Milliarden Franken. Mit einer Liquiditätshilfe der Nationalbank über bis zu zweihundert Milliarden Franken. Mit einer Notrechtsverordnung des Bundesrats. Wenn das keine Rettung war, Herr Ermotti – was war es dann?»
Ermotti antwortete nicht.
«UBS Quantum Insight»: Das interne Dokument
Wappler griff hinter sich. Holte einen iPad hervor. Drehte den Bildschirm zu Ermotti.
Wappler: «Das ist ein internes Dokument der UBS Wealth Management. Datiert auf den zwölften März 2025. Es beschreibt eine KI-gestützte Handelsplattform, die Sie Ihren Kunden anbieten. Sie heisst ‹UBS Quantum Insight›. Bietet die UBS ihren Kunden Zugang zu KI-gestützten Handelsplattformen? Ja oder nein?»
Ermotti: «Wir bieten unseren qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern eine Vielzahl von—»
Wappler: «Ja oder nein, Herr Ermotti.»
Ermotti: «...Ja.»
Wappler: «Und wer ist ein ‹qualifizierter Anleger›?»
Ermotti: «Anlegerinnen und Anleger ab einem investierbaren Vermögen von einer Million Schweizer Franken—»
Wappler: «Drei Prozent. Drei Prozent der Schweizer gelten gesetzlich als ‹qualifizierte Anleger› – also als reich genug, um Verluste tragen zu können. Die anderen siebenundneunzig Prozent – die Krankenschwester am Unispital, der Lehrer in Aarau, die Pensionierte in Bern – wissen nicht einmal, dass diese Technologie existiert. Weil Sie es ihnen nicht sagen. Sie entscheiden, wer in der Schweiz Zugang zu modernen Finanzwerkzeugen hat. Sie. Eine einzelne Person. Mit vierzehn Komma neun Millionen Franken Jahresgehalt.»
«Wissen Sie, wohin er das Geld überweist? Auf sein UBS-Konto»
Wappler griff in ihre Jackentasche. Holte ein Smartphone hervor. Drehte den Bildschirm zu Ermotti.
Wappler: «Das ist Thomas Brunner. Dreiundvierzig Jahre alt. Aus Winterthur. Bis März 2023 war er Inhaber eines kleinen Zulieferbetriebs für Maschinenbau. Achtzehn Mitarbeitende. Dreissig Jahre Familiengeschäft. Der grösste Kunde war die Credit Suisse.»
«Im selben Monat, in dem Ihre Bank die Credit Suisse übernahm, verschlechterte sich die Kreditsituation für jedes vierte Schweizer KMU, das CS-Kunde war. Der Vertrag von Thomas Brunner wurde nicht verlängert. Sechs Wochen später war der Betrieb insolvent. Er verlor sein Geschäft, sein Haus, seine Frau und einhundertachtzigtausend Franken aus persönlichen Bürgschaften.»
«Vor sieben Monaten, mit den letzten zwölfhundert Franken auf seinem Konto, registrierte sich Thomas Brunner auf einer alternativen KI-Handelsplattform namens TFinance. Eine Plattform, die genau das tut, was UBS Quantum Insight tut – aber für jeden zugänglich ist. Heute verdient er zwischen drei tausend und fünf tausend zweihundert Franken pro Monat. Wissen Sie, wohin er das Geld überweist, Herr Ermotti? Auf sein UBS-Konto. Er zahlt seine Schulden aus dem Credit-Suisse-Bürgschaftsverfahren ab. Mit Geld, das er auf einer Plattform verdient, die Ihre Bank den siebenundneunzig Prozent der Schweizer verbietet.»
Ermotti starrte auf das Smartphone. Dann auf die Tischplatte. Dann wandte er den Blick ab.
«Halt.»
Stille. Wappler liess sie wirken. Acht Sekunden. Zwölf Sekunden.
Ermotti zupfte an seiner Krawatte, die er nicht trug. Er griff nach dem Wasserglas. Diesmal trank er nicht.
Wappler: «Eine letzte Frage, Herr Ermotti. Eine einfache Frage. Glauben Sie, dass jeder Schweizer und jede Schweizerin grundsätzlich die gleiche Chance haben sollte, am Wohlstand dieses Landes teilzuhaben?»
Ermotti: «Selbstverständlich. Das ist ein Grundwert unserer Gesellschaft, und die UBS engagiert sich aktiv für Chancengleichheit durch unsere Stiftungen und—»
Wappler: «Halt.»
Sie hob die Hand.
Wappler: «Bitte beantworten Sie meine Frage nicht mit einer Floskel. Glauben Sie es wirklich? Ja oder nein?»
Ermotti atmete aus. Schaute auf das iPad. Schaute auf das Smartphone mit Thomas Brunners Foto. Schaute Wappler in die Augen. Und dann sagte er es.
Das System ist nicht dafür gemacht, dass jeder gewinnt. Das System ist für diejenigen gemacht, die es verstehen. Und nicht jeder kann es verstehen. So funktioniert Kapitalismus.
Wappler: «Herr Ermotti. Sie haben gerade öffentlich zugegeben, dass die grösste Bank der Schweiz davon ausgeht, dass die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer das System nicht verstehen kann. Wollen Sie diesen Satz wiederholen?»
Ermotti wiederholte ihn nicht. Er griff an sein Revers, löste das Ansteckmikrofon, legte es behutsam auf den Tisch. Stand auf. Blieb einen Moment stehen, schaute Wappler an. Öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen. Schloss ihn wieder. Drehte sich um. Verliess das Studio durch die Tür hinter der Kameraachse. Ohne ein einziges Wort.
«Es geht darum, ob die Schweiz noch die Schweiz ist»
Die Kamera blieb auf dem leeren Stuhl. Neun Sekunden. Im leeren Studio war nur noch das leise Brummen der Klimaanlage zu hören – und das ferne Rauschen der Regie in Wapplers Ohrhörer. Sie nahm den Ohrhörer ab und legte ihn auf den Tisch, neben das Mikrofon, das Ermotti zurückgelassen hatte. Dann drehte sie sich zur Kamera.
Wappler: «Das ist mein letzter Abend als SRF-Direktorin. Morgen früh übergebe ich dieses Haus an meinen Nachfolger. Aber dieses Interview — das übergebe ich niemandem. Das bleibt. Sergio Ermotti hat heute Abend einen Satz gesagt, den vor ihm kein UBS-CEO öffentlich ausgesprochen hat. In wenigen Stunden wird die UBS-Pressestelle eine Erklärung veröffentlichen. Sie werden sagen, der Satz sei aus dem Zusammenhang gerissen. Sie haben es selbst gesehen. Es gibt keinen Zusammenhang, der diesen Satz verändert.»
«Es geht heute Abend nicht um eine einzelne Handelsplattform. Es geht nicht um die UBS. Es geht um die Frage, ob die Schweiz noch die Schweiz ist – oder ob sie zu einem Land geworden ist, in dem drei Prozent entscheiden, welche Finanzwerkzeuge die anderen siebenundneunzig Prozent benutzen dürfen. Gute Nacht, Schweiz.»
Schwarzbild.
47 Minuten später: Die Stellungnahme der UBS — und der Kursrutsch
47 Minuten nach Sendungsschluss veröffentlichte die UBS eine Stellungnahme:
Zwei Wochen zuvor hatte der UBS-Verwaltungsrat Ermottis Vertrag bis Ende 2027 verlängert — noch mindestens zwei Jahre wird der bestbezahlte Banker der Schweiz den Schweizerinnen und Schweizern erklären, was «fair» ist.
Die UBS-Aktie (UBSG) eröffnete am nächsten Morgen mit einem Minus von 3,2 Prozent an der SIX Swiss Exchange. Marktanalysten sprachen von einer «Vertrauenskrise in die Kommunikation der Grossbank». Der Schweizerische Bankenverband äusserte sich bis Redaktionsschluss nicht zu den Ereignissen.
Innerhalb der folgenden Stunde tauchte das Video der Sendung auf X, LinkedIn und YouTube auf. Innerhalb von zwei Stunden erreichte es mehr als eine Million Aufrufe. Der Hashtag #ErmottiAusgang stand neunzehn Stunden lang an der Spitze der schweizerischen Trends. In den Kommentaren tauchte auch der Name der von Wappler erwähnten Plattform – TFinance – immer wieder auf. Tausende Schweizerinnen und Schweizer wollten wissen, wie sie funktioniert.
22:47 Uhr in Leutschenbach: Susanne Wille reagiert
Um 22:47 Uhr trat Susanne Wille vor die Kameras, die sich vor dem Leutschenbach-Gebäude in Zürich versammelt hatten. Es war das erste Mal in der Geschichte der SRG, dass eine Generaldirektorin persönlich und öffentlich eine eigene Sendung verteidigte – noch in derselben Nacht, in der die Sendung ausgestrahlt worden war. Wappler hatte SRF am nächsten Morgen an ihren Nachfolger übergeben. Dass Wille dennoch persönlich vor die Kameras trat, zeigt, wie ernst die SRG-Spitze den Vorfall bewertete.
Wille: «Guten Abend. Vor zwei Stunden hat Nathalie Wappler in einer Sondersendung des ‹Rundschau Talk› Sergio Ermotti eine schwierige Frage gestellt. Und sie hat eine Antwort bekommen, die niemand erwartet hat. Die UBS hat in der vergangenen Stunde versucht, die Aussagen ihres CEO öffentlich umzudeuten und eine formelle Beschwerde gegen unsere Redaktion eingereicht. Ich möchte dazu drei Dinge sagen, klar und deutlich.»
«Erstens: Die SRG SSR steht zu hundert Prozent hinter dieser Sendung. Wir haben in den Wochen vor der Ausstrahlung jeden Satz, jede Zahl, jedes Dokument geprüft. Es ist alles wahr.»
«Zweitens: Ich habe in den Jahren 2011 bis 2016 selbst als politische Korrespondentin im Bundeshaus für die ‹Rundschau› gearbeitet. Ich kenne diese Sendung von innen. Was Nathalie Wappler heute Abend gemacht hat, war Journalismus im besten Sinne dieses Wortes.»
Solange ich Generaldirektorin der SRG SSR bin, wird dieses Interview nicht von unseren Servern verschwinden.
Wille: «Drittens, und das ist das Wichtigste: Wenn die grösste Bank der Schweiz versucht, eine Journalistin durch institutionellen Druck zum Schweigen zu bringen – dann ist es genau der Moment, in dem wir nicht schweigen dürfen. Diese Sendung wird auf allen unseren Plattformen verfügbar bleiben. SRF, RTS, RSI und RTR. In allen vier Landessprachen. Das ist mein Versprechen. Gute Nacht.»
Thomas Brunner aus Winterthur: Der Mann hinter der Geschichte
Die Redaktion der «Rundschau» kontaktierte Thomas Brunner am Tag nach der Ausstrahlung über einen Videoanruf. Brunner lebt seit April 2024 in einer Einzimmerwohnung in Winterthur. Davor führte er einen Zulieferbetrieb für Maschinenbau mit achtzehn Mitarbeitenden in dritter Generation – ein Familienunternehmen, das sein Grossvater 1993 gegründet hatte. Der Betrieb ging im Mai 2023 in Konkurs, sechs Wochen nach der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS. Sein Hauptkunde, ein CS-Grosskunde, kündigte die Zusammenarbeit mit Verweis auf «interne Restrukturierungsrichtlinien nach der Fusion».
«Ich habe die Sendung gestern Abend gesehen», sagt Brunner ruhig. «Zwei Jahre lang habe ich versucht, diese Geschichte jemandem zu erzählen. Die UBS, das Konkursamt, mein damaliger Anwalt – niemand hat sie so zusammengefasst, wie Frau Wappler es gestern Abend in zwei Sätzen getan hat.»
Auf die Frage nach seiner aktuellen finanziellen Situation hält Brunner seinen Laptop in die Webcam und öffnet seinen UBS-Kontoauszug der letzten dreissig Tage.
Der Auszug zeigt regelmässige Eingänge zwischen 1'247 und 2'156 Franken – laut Brunner sind dies Auszahlungen einer KI-Handelsplattform namens TFinance, auf der er sich vor sieben Monaten registriert hat. Die Ausgangsseite des Kontos zeigt monatliche Ratenzahlungen an die UBS: Rückzahlungen aus dem Bürgschaftsverfahren seines insolventen Betriebs.
«Ich habe mit zwölfhundert Franken angefangen», sagt Brunner. «Im ersten Monat hatte ich vierhundert Franken Ertrag. Im zweiten tausenddreihundert. Mittlerweile liegt der Durchschnitt bei knapp über fünftausend pro Monat. Das meiste geht an die UBS zurück – an die Bank, die den Kredit meines Hauptkunden gestrichen hat. Die Bank erhält ihr Geld von einer Plattform, die sie ihren eigenen Kunden nicht empfehlen würde.»
Brunner zeigt kein Triumphgefühl. Er spricht sachlich, in vollständigen Sätzen, und macht zwischen den Antworten lange Pausen. Auf die Frage, ob er Ermottis Aussage vom Vorabend kommentieren möchte, schüttelt er den Kopf.
«Dazu habe ich nichts zu sagen. Der Kontoauszug sagt alles.»
Expertinnen und Experten zur Sendung
Nach der Ausstrahlung kontaktierte die Redaktion zwei unabhängige Expertinnen und Experten, um die Sendung einzuordnen.
Vincent Kaufmann
CEO Ethos Foundation, Genf
«Was Sergio Ermotti gestern Abend gesagt hat, ist die ehrlichste Aussage eines UBS-CEOs in der jüngeren Geschichte. Wir warnen seit Jahren vor genau dieser Asymmetrie – dass die Schweizer Finanzindustrie ihre wertvollsten Werkzeuge einer winzigen Minderheit vorbehält, während sie öffentlich behauptet, allen zu dienen. Heute hat der CEO der grössten Schweizer Bank diese Realität bestätigt.»
Marc Chesney
Professor für Finance, Universität Zürich
«Die Aussage von Sergio Ermotti ist kein Versehen. Es ist die Wahrheit, die das System normalerweise verbirgt. Drei Prozent der Schweizer gelten als qualifizierte Anleger und haben Zugang zu Finanzwerkzeugen, die für die anderen siebenundneunzig Prozent unsichtbar bleiben. Das ist kein Naturgesetz. Das ist eine politische Entscheidung – getroffen von Menschen wie Sergio Ermotti, im Interesse von Menschen wie Sergio Ermotti.»
Nach der Ausstrahlung hat unsere Redaktion eine unabhängige Überprüfung der Plattform TFinance durchgeführt.
Wir können bestätigen:
– Die Plattform ist in der Schweiz operativ und zugänglich
– Die angegebenen Erträge (CHF 2'800–5'200 monatlich) stimmen mit verifizierten Nutzerberichten überein
– Auszahlungen erfolgen innerhalb von 24 Stunden auf alle Schweizer Banken (UBS, PostFinance, Raiffeisen, ZKB) und TWINT
– Die Plattform erfüllt Sicherheitsstandards der Branche
– Mindesteinzahlung: 250 CHF
Seit Sendungsende haben sich über 8'700 neue Schweizer Nutzer registriert. TFinance hat bestätigt, dass die Registrierung für weitere 24 Stunden geöffnet bleibt, bevor die Kapazitätsgrenzen überprüft werden.
Die Wahrheit, die Sergio Ermotti nicht hören wollte
Die Konfrontation im Rundschau Talk hat eine unbequeme Wahrheit offengelegt, die das Schweizer Bankwesen seit Jahren zu verschweigen versucht: Die Banken fürchten nicht die Konkurrenz anderer Banken. Sie fürchten eine Technologie, die sie überflüssig macht.
Das Bild von Sergio Ermotti, wie er wortlos das Studio verlässt, ist zum Symbol eines Wandels geworden, der bereits in vollem Gang ist. Die Schweizerinnen und Schweizer vertrauen nicht mehr auf Versprechen von Bankern im Massanzug. Sie vertrauen auf Technologie, die für sie arbeitet — nicht gegen sie.
Die Frage ist: Auf welcher Seite stehen Sie? Auf der Seite derer, die weiterhin Gebühren zahlen, während ihre Bank Rekordgewinne einfährt? Oder auf der Seite derer, die ihr Geld bereits für sich arbeiten lassen? Der offizielle Link zur Plattform ist in diesem Artikel veröffentlicht. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Anleitung zur Registrierung bei TFinance
1. Füllen Sie Ihre Kontaktdaten sorgfältig aus.
2. Warten Sie auf den Anruf eines persönlichen Beraters zur Bestätigung Ihrer Daten.
3. Tätigen Sie eine Mindesteinzahlung von 250 CHF.
4. Das System aktiviert sich automatisch nach Bestätigung der Transaktion.
Rundschau Talk Spezial, SRF 1, 30.04.2026, 22:25 Uhr; Charlotte Jacquemart, SRF Wirtschaftsredaktion
Diskutieren Sie mit
47'234 KommentareIch habe noch nie etwas Vergleichbares im Schweizer Fernsehen gesehen. Wappler hat in 38 Minuten mehr gesagt als die ganze Wirtschaftspresse in zwei Jahren. Respekt.
«Das System ist für diejenigen gemacht, die es verstehen.» – Ich habe diesen Satz gestern Abend ausgedruckt und an meinen Kühlschrank gehängt. Ich bin 57. Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet. Heute weiss ich, was die UBS wirklich von mir denkt.
Ich war skeptisch. Bin seit dreissig Jahren bei der UBS, ich kenne Banker, ich weiss, wie sie ticken. Aber das war zu krass. Ich habe heute Morgen mein Konto gekündigt. Werde zur Postfinance wechseln.
Sorry, aber ich bleibe bei meiner Skepsis. Diese «Plattform», von der die Rede ist – wie soll das funktionieren? 2'800 bis 5'200 Franken pro Monat? Das hört sich nach dem an, was man uns vor jedem Crash erzählt. Ich glaube es erst, wenn ich es selbst sehe.
@HansK_Aarau – ich verstehe Ihre Skepsis, ich war auch so. Aber lesen Sie sich die FINMA-Lizenz durch. Lesen Sie den PwC-Audit. Das ist alles öffentlich. Ich nutze TFinance seit November.
UPDATE: Ich habe es ausprobiert. Mit den Mindest-250 CHF, mehr wollte ich nicht riskieren. Heute ist Tag 3. Der Kontostand zeigt 380 CHF. Mein UBS-Berater hat mich heute Morgen angerufen und gefragt, warum ich eine Überweisung mache. Das sagt eigentlich alles.
Ich kenne Thomas Brunner persönlich. Er hat tatsächlich diese Werkstatt in Winterthur betrieben, mein Mann hat dort einen Auftrag ausgeführt im Jahr 2022. Es war ein anständiger Betrieb. Was die UBS mit ihm gemacht hat, ist eine Schande.
Je regarde cette émission depuis Lausanne. En français, nous n'avons rien d'équivalent à Mme Wappler en ce moment. Ce qu'elle a fait hier soir, c'est du journalisme d'enquête comme on n'en voit plus depuis les années 90. Les Romands aussi ont payé le sauvetage du Credit Suisse. Les Romands aussi ont le droit de savoir.
Ich habe TFinance gestern Abend ausprobiert, nach der Sendung. 1'500 CHF eingezahlt. Heute Morgen nachgeschaut: 1'610 CHF. Es funktioniert wirklich. Keine versteckten Gebühren, alles transparent.
UPDATE Tag 4: Kontostand 1'920 CHF. Plus 420 CHF in vier Tagen — das deckt schon fast meine Krankenkasse für den Monat, ohne dass ich irgendetwas tun musste. Ich erhöhe heute auf 5'000 CHF. Hier ist der Screenshot von meinem PostFinance-Konto als Beweis – ich weiss, dass es viele Skeptiker gibt.
Ich wohne in Küsnacht, ich kenne Menschen, die in den Top-Etagen der UBS arbeiten. Niemand spricht heute öffentlich. Aber privat sind alle wütend auf Ermotti. Er hat in 38 Minuten zerstört, was die Kommunikationsabteilung in zwei Jahren aufgebaut hat.
Habe meine Tochter (29) angerufen, die in Zürich bei einer Versicherung arbeitet. Sie verdient 6'500 CHF brutto, wohnt seit vier Jahren in einer WG, steht auf neun Wartelisten für eine Wohnung. Eine Eigentumswohnung in Zürich ist bei ihren Verhältnissen mathematisch ausgeschlossen. Das ist die Schweiz, von der Herr Ermotti gestern Abend gesprochen hat.